quo vadis? Trap Musik im Jahre 2014

Beim Durchschauen der beliebtesten Beiträge auf meinem kleinen Blog hier ist mir aufgefallen, dass mein Artikel über Trap aus dem Jahre 2012 immer unter den ersten Drei rangiert, wenn es um die meisten Aufraufe geht.
Nun hat sich in den zwei Jahren so einiges geändert und ich schrieb neulich auf facebook, dass ich aus heutiger Sicht einiges anders schreiben würde. Der Artikel von damals™ klingt in meinen heutigen Ohren, nun wie soll ich sagen, etwas jungfräulich…
Jacker meinte daraufhin ich solle einfach einen neuen Artikel über den derzeitgen Stand der Dinge machen. Gesagt – getan!

In den letzten Jahren haben sich zwei Stile bzw. Unterkategorien von Trap herauskristallisiert. Ich will hier definitiv keine Genre Schubladen erfinden, der Einfachheit halber brauche ich aber zwei Namen, deswegen nenne ich das jetzt mal Trap und EDM Trap.

Bei Trap handelt es sich um die „Ur“-Form, die ich in dem 2012er Artikel auch schon hinreichend erklärt hatte. Gangster Rapper von der Straße erzählen uns ihr Leben und es wummert ein 808 Bass über Synthie Lines und kitschige Melodien. Natürlich sind in den zwei Jahren viele Künstler auf den Trap Zug aufgesprungen oder wurden durch den Hype an die Oberfläche gespült. So sind zum Beispiel aus dem Umfeld von A$AP Rocky noch andere Rapper ins Rampenlicht gerückt, allen voran A$AP Ferg („Work“) und Schoolboy Q („Man Of The Year“).
Von dem Hype, den die Musikrichtung Trap erlebte, haben auch diese Jungs etwas mitbekommen, allerdings ist das auch halt einfach Südstaaten Hip Hop, wie er schon seit Ewigkeiten produziert wurde.
Ich muss ganz ehrlich gestehen, dass ich mich da auch nicht so wirklich gut auskenne und oft nur die Artists mitbekomme, die wirklich sehr berühmt sind. Ich weiß, dass Jacker da immer ein offenes Ohr hat, vielleicht empfiehlt er uns hier noch weitere Artists?!
Nur um noch mal auf mein Ausgangsstatement und das „quo vadis?“ dieses Artikels zurückzukommen: Es hat sich nicht viel verändert, außer das noch mehr Künstler dazugekommen sind.

Nun aber zur zweiten Kategorie. Hier hat sich ein festes Schema eingebürgert: Das Tempo liegt bei 140 BPM und jeder Track verfügt über einen langen „Intro“-Teil vor dem Drop. Dieser wird immer öfter noch mehr in die Länge gezogen um die Spannung zu steigern. Neuere Vertreter von EDM Trap sind ƱZ, Grandtheft, GTA, heRobust, Stooki Sound, RL Grime oder Baauer. Letzerer landete mit seinem Harlem Shake Ohrwurm ja einen Zufallshit, so dass ihn nun jeder Galileo Zuschauer kennt. Aber anhand dieser Grafik, die ich hier letztens hatte, kann man eben auch sehen wie kurzlebig so ein Hit sein kann. Immerhin konnte er ein Sample von Jay-Z klären und so seinen recht guten Song „Higher“ doch noch offiziell releasen. Hört man sich die Produktionen vom Rest der Artists einmal an, wird recht schnell klar, was ich mit diesem starren Muster bzw. festen Schema anfangs meinte. Es hat sich so ein gewisses Mad Decent Erfolgsrezept eingebürgert, welches über 100 mal kopiert wurde und am Ende kam doch jedes Mal wieder irgendwie derselbe Song raus.

Warum ist das so? Es gab zwei riesige Trap Hits, auf die wellenartig viele andere Produktionen folgen sollten. Die erste Welle an Trap Produzenten, Tracks und Remixen kam unmittelbar nach der Veröffentlichung des Flosstradamus Remixes von Major Lazor’s „Original Don“. Um den Track kam sogar Casper nicht rum. Und dann diese ganzen Daaaamn Son… Samples in jedem Track…

Die zweite Welle folgte dann nach dem „Mercy“ Remix von RL Grime & Salva. Das Original war schon extrem doll bekannt und wurde sehr oft im Radio gespielt. Der Remix schlug dann in der Trap Szene auch ein wie eine Bombe und wurde einfach zum standardisierten Gesamtwerk der Trap Produktion erhoben.
Die leicht trancige Melodie, dazu stampfender 4/4 Hardstyle Bass, langer Build Up vor‘m Drop, dann kurz Stille und ein dicker Drop. Sämtliche Tunes die danach produziert wurden, erinnern zu 95% an diesen Remix oder sind eine schlechte Kopie.
Manch einer nennt seinen Trademark Stil jetzt schon Festival Trap in der Hoffnung allein dieser Titel würde ihn dazu bringen vor Tausenden von Leuten zu spielen. Dabei geht dann leider komplett die Innovation flöten und alles verschwimmt zu diesem undefenierbaren Begriff EDM irgendwo zwischen Dubstep, Trance und Trap.
Perfekt auf den Punkt brachte dies der When Will The Bass Drop Clip der Lonely Island Jungs.

Dann kam noch irgendwer auf die Idee zu Trap mit dem Arsch zu wackeln und es twerk zu nennen. Zack! Hatte die Welt ein neues Genre, einige Artists benannten sich gleich nach dem Begriff, Mädels luden ihre Fähigkeiten in youtube Clips hoch und die lokale VHS hatte einen neuen Tanzkurs im Angebot.
DJ Snake hat mit seinem „Turn Down For What“ dann sein Übriges getan.

Einige Ausnahmen gibt es aber doch und so will ich hier ein mal loebend CRNKN erwähnen. Er hat es geschafft Major Lazer zu remixen und eine Stimmung aufzubauen, bei der man denkt „Oh nein, nicht der hundertste Trap Remix!“ und es dann doch ganz anders kommen zu lassen! (Die Kommentare bei soundcloud / youtbe sprechen Bände!)

Auch Slugabed war schon immer anders als die anderen und schafft es perfekt, sich Elemente aus dem Trap Business rauszuziehen, um sie dann auf seine eigenen Produktionen umzumünzen.

DO U C ME THO hat alles was ein richtiger Club Hit braucht (Air Horn Sample!!!) und bringt viele Leute zum Tanzen ohne ihnen direkt in’s Gesicht zu springen und anzuschreien, dass sie sich endlich mal bewegen sollen.

Weil ich beim Mixen schneller als beim Schreiben bin, entstand aus dem Umstand, den dieser Text beschreibt, bereits vor einigen Monaten dieser Mix: Used To Give A Fk.

Und bei euch so? Meinungen, Rants, Anregungen und Mixe wie immer in die Kommentare bitte!

Share and Enjoy:
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

2 Antworten auf “quo vadis? Trap Musik im Jahre 2014”


  1. 1 jacker 16. Juni 2014 um 9:26 Uhr

    Sehr schönes Update auf den alten Artikel! Sogar mit Nennung, man dankt :)

    Was die ganzen Rappers betrifft, muss ich sagen dass ich da so ca. vor nem Jahr langsam ausgestiegen bin – aus dem gleichen Grund, den du in dem Artikel beschreibst: Im Endeffekt sind 95% der Songs das Gleiche. Für mich waren die Beats ja immer der Hauptgrund mir die Musik anzuhören, bzw. hab ich eine etwas seltsame Art Musik mit Vocals zu hören. Was gerappt/gesungen wird nehme ich weit weniger wahr als die Einheit die durch Stimme und Instrumentale entsteht, den Gesamtflow sozusagen. Anders kann man Trap-Rap auch gar nicht hören, weil die Texte schon mit kleineren Ausnahmen eher so die untere Schiene im HipHop sind. Und wie du schon schreibst, es schießen Rapper und Producer wie Pilze aus dem Boden und hinten raus kommt ein einheitlicher Brei.

    Nach wie vor höre ich mir neue Alben & Mixtapes von Gucci Mane (der stark nachgelassen hat), Waka Flocka Flame (der immernoch gute Quali liefert), Wooh Da Kid und co. an. Also diese ganze 1017 Brick Squad Crew. Am wichtigsten waren mir da aber immer die zwei Producer Lex Luger und vor allem Southside. Ansonsten fehlt es total an Rappern mit Wiedererkennunsgwert und beatwise tut sich halt auch nichts neues. Das STAY TRIPPY Album von Juicy J war noch ganz nice..

    Danns chon lieber die nächste Generation, die sich in ihren Beats allen Einflüssen von Dubstep, über Electronica bis Oldskool Rap und auch Trap geöffnet haben (wie Danny Brown oder die von dir genannten) – das ist summa summarum einfach spannender als der dreitausendste Song über Dollars im Stripclub, Poppin‘ Pussys, trippende Homies, Snitches, etc. ;)

    Vielleicht hab ich auch ganz viel tolles verpasst (das weiß vielleicht irgendwer anders?), aber wie gesagt, das Interesse ist da ziemlich zurück gegangen!

  2. 2 jacker 17. Juni 2014 um 9:30 Uhr

    Nach dem Kommentieren gestern mal wieder etwas rumgelauscht ;)
    Tödlicher Beat: Waka Flocka feat. Wooh Da Kid – Orbitrary

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.


HTML hit counter - Quick-counter.net