Produzent ≠ DJ

Im Moment geistern wieder zwei Videos von Festival Gigs durch’s Netz, die so einige (Hobby) DJs gehörig auf die Palme bringen. Zum einen ist da das Video von Dimitri Vegas, Martin Garrix und Like Mike, die ihren neuen Track beim Ultra Music Festival „vorstellen“. Zweitens existiert noch einen Ausschnitt von einem Set, der Laidback Luke, Sander Van Doorn und Steve Aoki bei ihrer Arbeit zeigt.
Jetzt wird natürlich wie wild diskutiert und gehatet. „Die machen ja gar nix!“, „Früher haben DJs noch gearbeitet für ihr Geld!“, „Das kann ich auch!“ oder „Hurensohn“ sind so die gängigen Meinungen, die einem beim Lesen der Kommentare so begegnen.
Was viele der Blogbetreiber und Kommentareschreiber dabei vergessen: Bei diesen Leuten handelt es sich um Produzenten und nicht um DJs.
Es gibt da diesen ewigen Kreislauf in der elektronischen Musikszene: Du musst eigene Tracks produzieren, sonst wirst du nicht gebucht. Wenn du gebucht wirst, musst du Auflegen obwohl du doch eigentlich „nur“ Produzent bist und von Beatmatching, Selection oder Aufbau eines Sets gar keine Ahnung hast. Dazu kommt natürlich der Faktor, dass die wenigsten heute rein von den Verkäufen ihrer Musik leben können. Will man als Vollzeitmusiker (in Nischenbereichen der Musik) überleben, muss man zwangsläufig jedes Wochenende irgendwo auftreten.
Das führt uns nun wieder zu den oben genannten Künstlern.
Die Beispiele in obigen Videos haben sich einfach für den allerallereinfachsten Weg entschieden ihre Tracks vor Publikum zu spielen. Mit dem Abspielen der Tracks von einer CD.
Manch einer macht sich da noch ein wenig mehr Mühe. Deadmau5 zum Beispiel baut sich vorher ein „Live Set“ in Ableton zusammen und lässt dieses dann eine Stunde lang vom Rechner laufen und variiert hier und da mal eine Kleinigkeit. Genauso handhabt das auch Paul Kalkbrenner. Manch ein anderer gibt sich noch mehr Mühe und versucht verschiedene Elemente mit Live Instrumenten einzuspielen (Machinedrum, Mala, Shigeto) oder die Tracks komplett neu mit analoger und digitaler Software „live“ einzuspielen.

Das von gängigen Musikzeitschriften und deren Internetablegern dann die „Top DJs of the world“ gekürt werden und sich dann darunter eigentlich ausschließlich Produzenten tummeln führt natürlich auch nicht zur Klärung des Ganzen herbei.
Was also tun? Hm, ich zum Beispiel war nicht beim Ultra Music Festival oder bei Auftritten von Steve Aoki, muss also auch nicht darüber ärgern oder auslassen, dass er mit minimalem Einsatz ein maximales Ergebnis einfährt. Zugegeben über Geschmack lässt sich immer noch streiten und was die Qualität der Musik von Martin Garrix angeht, kann man ihm sicher immer noch etwas vorwerfen.
Aber ein bisschen mehr Gelassenheit würde auch nicht schaden. Wenn die hier genannten Produzenten sich nur noch im Studio einschliessen würden, würden Du oder Ich ja auch nicht morgen ihren Platz einnehmen und auf einmal jedes Wochenende ausgebucht sein.

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1 Antwort auf “Produzent ≠ DJ”


  1. 1 Morph 14. April 2014 um 16:30 Uhr

    Nice. Wieder was gelernt. Das gleiche gilt ja auch für David Guetta, oder? Hab da so ein Video im Hinterkopf…

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