End Of The Year Reviews

Das Jahr 2012 war das Jahr des Hip Hops für mich. Schon 2008 haben mich die Alben von Flying Lotus oder Lorne begeistert, ich konnte sie bloß nie in dem richtigen Kontext genießen. Wonky? Glitch Hop? Ach quatsch, das war und ist immer noch Hip Hop. Nur eben meilenweit entfernt von dem Blödsinn, der uns von den Medien als solcher propagiert wird. Dieses Jahr haben Releases von Kromestar, Om Unit, Machinedrum oder Shlohmo einen Pool an Tunes ergeben, die für mich Sets auch auf 80 BPM möglich gemacht haben.

Kidkanevil & Daisuke Tanabe – Kidsuke [Project Mooncircle]

Fangen wir doch gleich auch mit so einem Release an. Kidkanevil & Daisuke Tanabe haben sich zusammengetan und ein spielerisches Album produziert, das sich anhört, als ob ein Kind sich mit seiner Naivität Rhythmus und Klängen annähert und diese dann zu komplexen Songs aufsteigen lässt. Nicht umsonst wurde wohl genau dieses Cover gewählt und die kindliche Stimme erinnert uns mit dem „KIDSUKE!“ Ausruf immer wieder daran, wieviel Spaß die beiden Kopfnicker beim Entstehen des Albums hatten.

Clubroot – III – MMXII [Lo Dubs]

Ähnlich wie Kode9 sich Burial exklusiv (naja fast exklusiv) auf seinem Hyperdub Label hält, lässt auch Jon AD Clubroot nicht mehr los. Sein drittes Studio Album steckt wieder so voll von tollen Melodien, tiefen Bässen – überrascht aber auch immer wieder durch düstere und beklemmende Momente. Ich glaube kein Album hat mich dieses Jahr so sehr auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt wie dieses hier. Clubroot schrammt mit seinen Melodien zwar manchmal haarscharf an der Grenze der hippiesken Panflöten Musik vorbei, aber bei ihm geht das alles klar. Tiefer kam keiner dieses Jahr was Emotionen mit Bass anging.

Phon.o – Black Boulder [50 Weapons]

Das Album steht hier jetzt auch exemplarisch für alles was Modeselektor mit ihrem 50 Weapons Label dieses Jahr richtig gemacht haben. Phon.o serviert burialesque Beats mit Melodien die von vorne fröhlich daherkommen, aber bei nährerer Betrachtung in Moll geschrieben sind. Dazu epische Breakdowns und abgehackte Vocal Samples oder gleich mal grandiosen Gesang dazu? Auf diesem Album geht das alles und verschmilzt zu einer gewissen schwarzen Masse.

Jam City – Classical Curves [Night Slugs]

Jam City hat mit seinem Album und der kompletten Night Slugs Crew bewiesen, wie modern 90-er Techno und Breakdance Beats klingen können. Der „stylishte Engländer 2012″ liefert hier auf 50 Minuten Funk a la Prince, Chicago House oder Wahnsinns Tracks wie „The Courts“, welches nur aus Samples einer Basketballhalle entstanden ist. Ob er das Motorrad auf dem Cover selbst geschrottet hast, ist aber nicht überliefert.

Ital Tek – Nebula Dance [Planet Mu]

Ital Tek vermischt auf seinem dritten Album seine Kenntnisse aus IDM, Dubstep und Juke um sie alle zu dieser großartigen Suppe zu verbinden. Er fühlt sich sichtlich wohl bei den 160 BPM und nimmt mit den teils sehr entspannten Melodien die ganze Hektik aus den Stakkato Beats. Favoriten sind und bleiben für mich „Pixel Haze“ und „Gonga“.

Spectrasoul – Delay No More [Shogun Audio]

Spectrasoul haben mit „Delay No More“ ein sehr abwechslungsreiches Album für Frictions Shogun Audio“ Label abgeliefert. Stilsicher bewegen sie sich von 123 nach 174 BPM und begehen dabei nicht den Fehler Drum & Bass Produzenten zu sein, die „jetzt auch mal Dubstep“ machen wollen. So entstehen tolle Vocal Nummern, entspannter 2-Step oder einfach schöner Drum & Bass. Egal was, alles mit Seele.

The XX – Coexist [Young Turks]

Ich will nicht mehr viel darüber schreiben, aber es muss hier auftauchen. The XX machen nicht viel neu, altbewährtes wird beibehalten, Jamie steuert ein paar Beats dazu und heraus kommt ein wunderschönes Album. Nicht mehr, nicht weniger.

Purity Ring – Shrines [4AD]

Eigentlich Wahnsinn, wenn man bedenkt, dass sich Megan James und Corin Roddick beim Produzieren des Albums gar nicht von Angesicht zu Angesicht gesehen haben, sondern sich nur Beats bzw. Vocals per Internet zugeschickt haben. Dabei herausgekommen ist ein Album mit grandiosen Melodien, Anleihen aus Hip Hop, IDM und Dubstep und schönen Vocals. Und mal wieder startete eine große Karriere mit Tracks, die man lange Zeit für umme im Netz runterladen konnte.
Bei ihrem Gig im Berghain hat man den beiden ihre Nervosität noch deutlich angemerkt, mal sehen ob sich die professionelle Coolness dann beim zweiten Album eingespielt hat.

Crystal Castles – III [Fiction]

Kaum zu glauben, aber die zwei Kanadier haben es ein drittes Mal geschafft mich zu begeistern. Auch sie setzen (ähnlich wie Purity Ring) auf Hip Hop Hi Hats, House Beats und gelungene Melodiekompositionen. Das Punkige und Rohe musste schönen und fast schon ruhigen Tracks weichen, was sich aber nur positiv auswirkt. Einzig allein bei „Insulin“ fallen sie in ein altes, wirres Muster zurück, was dem Gesamteindruck aber keineswegs schadet.

Holy Other – Held [Tri Angle]

Wie hieß das Früher? Witch House? Egal. Namen sind Schall und Rauch und für mich ist es einfach angenehme Musik. Verspielte Melodien paaren sich mit entspanntem Bass und Vocals von ganz weit weg.
Nur eins von ganz vielen Perlen auf dem Tri Angle Label, da wird noch einiges kommen!

Four Tet – Pink [Text]

Four Tet wurde den Erwartungen auch auf seinem siebten Album gerecht und serviert uns wieder entspannte Gitarrenmelodien, rohen Techno oder IDM. Die Songs haben meist eine Spielzeit von mindestens 8 Minuten und entfalten ihren ganzen Charme erst über die komplette Laufzeit. Definitiv kein Album zum Durchskippen!

Lorn – Ask The Dust [Ninja Tune]

Lorn konnte ja 2010 schon Flying Lotus mit seinen instrumentalen Hip Hop Beats begeistern und liefert nun auf Ninja Tune den Nachfolger „Ask The Dust“ ab. Mit knallenden Hi Hats und dickem Bass schrubbt sich Lorn durch 12 Tracks und liefert dabei eine fiese Version von Beats bei denen Tyler The Creator der Mund offen stehen bleiben würde.

Gewinner des Jahres ist allerdings Shlohmo, der kein Album veröffentlicht hat, aber dennoch so endlos viel gute Musik rausgehauen hat, dass es auf keine Kuhhaut geht.
Da muss man sich nur mal die XLR8R Download Charts ansehen: http://www.xlr8r.com/features/2012/12/xlr8rs-best-2012-top-downloads

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3 Antworten auf “End Of The Year Reviews”


  1. 1 freed 02. Januar 2013 um 19:21 Uhr

    Freue mich immer wieder auf dein Jahres-Review. Entdecke jedesmal ein neues wunderbares Album! Vielen Dank; keep ‚em coming!

  2. 2 Bloodyludy 02. Januar 2013 um 23:55 Uhr

    Oh Mann, ich freu mich jedes Mal wie ein kleines Kind auf diese Liste.

    1.Weil die 20% „Zusatzmaterial“ bereitstellt, dass ich noch nicht gehört hab.
    2. Weil die bestätigt, dass nicht ich den seltsamen Musikgeschmack habe, sondern meine Freunde.
    3. weil mir die Mucke einfach gefällt

  3. 3 r0byn 03. Januar 2013 um 11:26 Uhr

    danke euch beiden!
    das sind die kommentare, die mich zum weiterschreiben animieren! :)

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