Interview: Essáy (Warminal / Cut)

Der 20-jährige Essáy aus einer kleinen Stadt in der Nähe von Heidelberg macht schon seit längerer Zeit Musik und ist mir das erste Mal durch ein Release auf dem Cut Netlabel von DFRNT aufgefallen. Meine Begeisterung für seine Musik lässt nicht nach, Infos über ihn und seine Person sind rar gesät und so dachte ich mir es wäre mal Zeit für ein kleines Interview. Zudem sagt er selbst, dass der Regen ihn und seine Musik stark beeinflusst. Passt dann also hervorragend zu diesem Sommer.

Morning Mountain / click on „buy this track“ for dl by ESSÁY.

Woher kommt dein Alias „Essáy“? Hat es eine besondere Bedeutung?

Ich versuche oft, dass meine Songs eine kleine Story erzählen, mit einem funktionierenden Aufbau. Der Name / Ausdruck „Essáy“ hörte sich für mich somit dann auch am schönsten an und sieht mit dem accent ebenso interessanter aus.

In welches Genre würdest du deine Musik einordnen?

Da ich selber viele unterschiedliche Genres höre und offen für experimentielle Sachen bin, mag ich mich nicht direkt in eines einordnen. Damit mach ich mir nur selber Druck und habe somit die Freiheit, dass zu tun, worauf ich Lust habe. Aber grob gesagt: Elektronische Musik mit Gefühl und Groove. Was man noch so hineininterpretiert bleibt jedermanns Sache.

Gab es einen besonderen Moment wo du für dich entschieden hast: Nun fange ich an Musik zu produzieren? Oder war es eher ein Prozess?

Als kleines Kind hab ich gerne auf Sachen rumgetrommelt, hab mit 8 Jahren Keyboardunterricht bekommen und in einer Schulband Schlagzeug und Piano gespielt. Dann hatte ich noch eine große
Kassettenreihe von Komponisten die für jung und alt gemacht wurden (Schubert, Chopin, Mozart etc..), das hat mich auch geprägt denke ich. Also Musik war schon immer irgendwie für mich da und wichtig, daher ist der Begriff „Prozess“ am nähesten!

Viele Produzenten greifen neuerdings auf alte Garage Beats zurück (Burial macht’s möglich) und auch in einigen deiner Songs sind diese Beatstrukturen zu hören. Wie erklärst du dir das? Ist das ein Rückschritt oder zurückgreifen auf Altbewährtes?

Wundert mich immer wieder wenn Leute sagen, dass sie manchmal an Burial denken müssen wenn sie meine Tracks hören. Ebenso wenn ich sehe, dass auf Soundcloud einige Dubstephörer / Produzenten mir folgen. Ich persönlich nehme den „Burial“ Sound gar nicht so wahr. Aber inspiriert und beeinflusst hat er bzw. sein Sound mich wirklich sehr. Was das Samplen angeht, bin ich sehr offen. Ich denke wenn ich sample, verarbeite ich es trotzdem so, dass man nicht direkt erkennt, von wem es ist. Zumindest versuch ich es! :)

Du hast zwei Tracks auf dem „Cut“ Netlabel von Alex DFRNT veröffentlicht. Wie kam die Zusammenarbeit zustande?

Er hat mich einfach auf Soundcloud angeschrieben und gefragt, ob ich nicht Lust hätte, was für Cut zu machen. Ein, zwei Wochen später hatte ich zwei gute Nächte und hab die EP produziert.

Kommt da noch mehr?

Auf Cut? Gerne wieder! Ansonsten sind ein paar Gespräche mit Produzenten und Labels im Gange. Mit Nocow plauder ich auch viel, mit ihm will ich auch sehr gerne was zusammen machen. Soosh ebenso! Rhian Sheehan komponiert auch so wundervolle Musik, ihn durfte ich ja bei Morning Mountain samplen.

Alle Bilder zu deinen Tracks auf Soundcloud haben etwas mit der Natur zu tun, bist du ein echter „Naturbursche“?

Ich wohne am Neckar, meine Stadt hat weniger als 15.000 Einwohner und somit auch viel Platz für Weinberge und Landschaft. Zelten find ganz cool. Da die Natur – besonders wenn es regnet – meine Stimmung sehr beeinflusst, sag ich mal ja zum Naturburschen. ;) Hier ist man auch nicht so extrem von Mode und „Was ist in/out“ infiziert, im Gegenteil zu Großstädten. So fühlt es sich zumindest für mich an.

Einige deiner Tracks haben ein klares Konzept. Crying At Day / Crying At Night fallen mir da spontan als Beispiel ein. Gehst du immer mit so einem Konzept ans Produzieren?

Im Nachhinein kann man auf jeden Fall von Konzept sprechen, besonders auf die Namensgebung bezogen. Crying At Night hat halt den düsteren Touch im Gegensatz zu Crying At Day, da ich bei ersterem ein Sample vom Silent Hill Soundtrack benutzt habe. Eigentlich gehe ich konzeptlos an Songs ran, aber als ich die beiden Tracks in einem Abstand von zwei Wochen produziert habe, war mir einfach so danach, die beiden zusammenzufassen.

Welchen Tune von dir selbst magst du am liebsten?

Schwierige Frage… Ich bin oft extrem selbstkritisch, da fällt es nicht leicht mich für einen zu entscheiden. Ich weiß auch jetzt noch nicht, was für einen Track ich in Zukunft produzieren werde und ob dieser mir dann besonders gefällt. Aber momentan ist mein absoluter Favorit „Morning Mountain“. Der ist Nachts entstanden, ich hatte meine Kopfhörer auf und hatte diese krassen Gefühle. Glück, Trauer, Freude und so. Alles durcheinander. Das liegt aber auch an dem wunderschönen Sample – hier ein riesen Lob an den genialen Komponisten Rhian Sheehan!

Warum hast du dein eigenes Netlabel gegründet?

Ich hatte Lust, was eigenes kleines zu starten. So ’ne Art Plattform, auf der Künstler dem Label helfen und andersrum; einfach gute Musik für einen bezahlbaren Preis zu veröffentlichen.

Wonach wählst du die Artists aus, die auf Warminal releasen dürfen?

Die Musik sollte irgendwie Emotion beinhalten, Tiefe, Wärme, Kälte und letztendlich sollte sie mir auch persönlich gefallen. Neue Artists finde ich zu 98 % durch Soundcloud. Manches finde ich noch so im Netz.

Siehst du einen Vorteil von Netlabels gegenüber „normalen“ Labels?

Die Leute können einfach selber bestimmen, wieviel sie für einen Track, EP oder ein Album bezahlen. Der Mindestpreis pro Track liegt bei 40 Cent, den Betrag kann eigentlich jeder Mensch aufbringen.! ;)

Ist es viel Arbeit sein eigenes Netlabel zu führen?

Ja schon. Hätte ich niemals gedacht. Ich habs dieses Jahr im April gestartet und ich muss zugeben, Demos anhören und ein gewisses Maß an Werbung zu machen sind definitiv aufwendig. Und ich hab nur ein Netlabel. Aber es macht viel Spaß neue Kontakte zu knüpfen und ein Teil davon zu sein!

Was sind deine Top5 Artists im Moment?

Ich hab in letzter Zeit wieder viel Limp Bizkit und Afroman gehört. Das war auch so mein Sound als ich 10 war.

Was machst du sonst so in der Freizeit, wenn du keine Dubstep Beats produzierst oder dein Label betreibst?

Arbeiten, mit meiner Freundin oder Freunden Zeit verbringen. DBZ hat es mir vor kurzem auch wieder angetan :D

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4 Antworten auf “Interview: Essáy (Warminal / Cut)”


  1. 1 Marcin Weber 10. Juni 2012 um 14:43 Uhr

    Super mein Freund :)

  2. 2 Bea Schwab 10. September 2012 um 22:35 Uhr

    Bin super stolz auf dich :-)

  1. 1 Burial – Dog Shelter (Essáy’s Old Edit) « these are my thoughts Pingback am 01. September 2011 um 19:37 Uhr
  2. 2 Essáy – Crying At Day / Crying At Night EP [Glyph] « these are my thoughts Pingback am 06. August 2012 um 19:14 Uhr
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